


17.10.2025
„Wichtig ist, dass die Bevölkerung schnell, wohnortnah und bestmöglich versorgt wird.“
Nach Sport- und Freizeitunfällen hochfrequentiert: Unsere Abteilung für Orthopädie und Traumatologie, die auch Teil des Traumanetzwerks Kärnten-Osttirol ist. Was genau das ist, erklärt der Abteilungsleiter Dr. Wolfgang Kukutschki persönlich im Interview. Außerdem stellen wir in unserer Serie die Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin vor.
Ob Skiunfall im Winter oder Verkehrsunfall im Sommer – wer im Bezirk Spittal verletzt wird, landet meist in der Abteilung für Orthopädie und Traumatologie im Krankenhaus Spittal/Drau. Primarius Dr. Wolfgang Kukutschki leitet die Abteilung seit 2021. Im Gespräch erzählt er vom Traumanetzwerk Kärnten-Osttirol, den Schwerpunkten seiner Abteilung und warum er stolz auf sein bunt gemischtes Ärzteteam ist.
OKN: Herr Primarius, was ist die wichtigste Aufgabe Ihrer Abteilung im Krankenhaus Spittal/Drau?
Dr. Wolfgang Kukutschki: Unsere Abteilung versorgt den gesamten Bezirk Spittal, wenn es um Verletzungen oder orthopädische Erkrankungen geht. Wir haben 40 Betten und führen pro Jahr rund 2.000 Operationen durch. Der Schwerpunkt liegt ganz klar in der Traumaversorgung – also bei Freizeit- und Sportverletzungen, Unfällen im Straßenverkehr oder im Alltag. Besonders wichtig ist, dass die Bevölkerung schnell, wohnortnah und bestmöglich versorgt wird. Dafür sind wir Teil des Traumanetzwerks Kärnten-Osttirol.
OKN: Was genau können wir uns unter diesem Traumanetzwerk vorstellen?
Dr. Wolfgang Kukutschki: Das Netzwerk ist ein Zusammenschluss verschiedener Krankenhäuser in Kärnten und Osttirol, um schwerverletzte Patientinnen und Patienten optimal zu versorgen. Jede Abteilung hat ihren klaren Auftrag: Ein Schädel-Hirn-Trauma wird zum Beispiel im Klinikum Klagenfurt behandelt, weil dort die Neurochirurgie sitzt. Wir in Spittal sind auf Extremitätenverletzungen spezialisiert – also Knochenbrüche, Bänderrisse, Luxationen oder Verletzungen nach Ski- und Sportunfällen. Wichtig ist, dass die Patienten sofort in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Dafür gibt es klare Absprachen: Wir wissen genau, welche Voruntersuchungen oder CTs in Klagenfurt oder einem anderen Netzwerk-Krankenhaus benötigt werden und führen die auch durch, bevor ein Patient weiterverlegt wird. Dieses Vorgehen spart wertvolle Zeit – und der Faktor Zeit ist bei Schwerverletzten der wichtigste!
OKN: Wie wird die Qualität dieser Zusammenarbeit gesichert?
Dr. Wolfgang Kukutschki: Das Traumanetzwerk wird regelmäßig zertifiziert – alle drei Jahre überprüft ein unabhängiges deutsches Institut die Infrastruktur, die Prozesse und die Ausbildung, zum Beispiel im Bereich Schockraumversorgung. Ziel ist es, dass die Patientinnen und Patienten vor Ort die bestmöglichen Überlebenschancen haben. Das Besondere am Netzwerk: Es ist trägerübergreifend. Beteiligt sind sowohl die Kabeg, die AUVA, Ordenskrankenhäuser wie etwa Friesach, Bezirkskrankenhäuser wie Lienz oder eben wir hier in Spittal als allgemein öffentliches Krankenhaus unter privater Führung.
OKN: Neben der Akutversorgung: Welche Schwerpunkte gibt es noch?
Dr. Wolfgang Kukutschki: Wir sind in der Endoprothetik stark aufgestellt, etwa bei Schulter-, Hüft- und Knieoperationen, aber auch bei kleineren Eingriffen bis in den Hand- und Fingerbereich. In Zukunft wird uns auch ein Knieoperationsroboter unterstützen, der derzeit in Planung ist. Damit können wir unser Spektrum noch erweitern.
OKN: Und wie sieht es mit dem medizinischen Nachwuchs aus? Viele Krankenhäuser kämpfen mit Personalengpässen.
Dr. Wolfgang Kukutschki: Da haben wir großes Glück: Unser Ärzteteam besteht aus 14 Kolleginnen und Kollegen, darunter vier Ausbildungsassistenten aus unterschiedlichen Ländern – von der Slowakei über die Ukraine bis ins Mölltal (lacht). Wir sind also ein echtes Multikulti-Team. Das funktioniert hervorragend, wir arbeiten auf hohem Niveau sehr gut zusammen. Fluktuation gibt es kaum, das Betriebsklima ist sehr respektvoll und offen. Ich bin stolz, dass wir nicht nur medizinisch, sondern auch menschlich so stark aufgestellt sind.
Prim. Dr. Wolfgang Kukutschki
- Nach dem Medizinstudium Turnusausbildung am LKH Villach
- Danach u.a. Transplantationskoordinator am AKH Wien
- Seit 1996 am Krankenhaus Spittal/Drau tätig, zunächst als Unfallchirurg
- Zusätzliche Facharztausbildung für Orthopädie und Traumatologie
- Seit 2021 Primarius der Abteilung
- 2026 feiert er sein 30-jähriges Jubiläum im KH Spittal
Infobox: Abteilung für Orthopädie und Traumatologie
- 40 Betten
- Rund 2.000 Operationen pro Jahr
- Schwerpunkte: Akutversorgung nach Unfällen, große Endoprothetik (Schulter, Hüfte, Knie), Handchirurgie
- Eingebunden in das Traumanetzwerk Kärnten-Osttirol
- Ärzteteam: 14 Kolleginnen und Kollegen, davon 4 in Ausbildung – international besetzt
Medizinische Abteilungen – Teil 4: Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin
Anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums des Krankenhaus Spittal/Drau stellen die Abteilungsleiter (Primarii) ihre Abteilungen persönlich vor. Diesmal Primarius Dr. Claus-Michael Stock mit seiner Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin.
Wie haben Sie den Start Ihrer Tätigkeit als Abteilungsleiter erlebt?
Ich durfte auf ein hochengagiertes Team mit großer Erfahrung und gleichzeitig auf motivierte junge Kolleginnen und Kollegen in Ausbildung bauen. Gemeinsam war es unser Ziel, die Abteilung technisch, personell und fachlich weiterzuentwickeln.
Welche Veränderungen konnten Sie in den vergangenen Jahren umsetzen?
In den letzten zwanzig Jahren konnten wir die Abteilung umfassend ausbauen: ein moderner OP mit fünf Sälen, eine leistungsfähige Sterilisation, neue Bereiche für Vorbereitung und Überwachung von Patientinnen und Patienten sowie eine Intensivstation mit modernster technischer Ausstattung. Auch eine Tagesklinik wurde errichtet. Besonders freut mich, dass wir unser Team fast verdreifachen konnten. Damit sind wir heute fachlich wie personell bestens aufgestellt.
Welche Herausforderungen und Chancen sehen Sie in der Zukunft?
Wir wollen weiterhin höchste Sicherheit und Qualität für unsere Patientinnen und Patienten garantieren – mit moderner Technik, Simulationstrainings, EDV-Strategien und künftig auch KI-gestützter Überwachung. Wichtig bleibt außerdem die Ausbildung junger Kolleginnen und Kollegen. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass das Krankenhaus Spittal/Drau auch weiterhin so stark unterstützt wird, damit wir als Lehrkrankenhaus und Teil der „Green Hospital Initiative“ bestens für die kommenden Jahre gerüstet sind.
Bild 1: Primarius Dr. Wolfgang Kukutschki, Vorstand der Abteilung für Orthopädie und Traumatologie
Bild 2: Prim. Dr. Kukutschki mit seinem internationalen Assistenten-Team: Dr.Tomáš Pucan, Dr. Oleksii Sukhodyntsev, Prim. Dr. Wolfgang Kukutschki, Dr. Janja Wutte, Dr. Robert Granegger
Bild 3: Primarius Dr. Claus-Michael Stock, Vorstand der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin
(Fotos: Krankenhaus Spittal/Drau)